Erziehung
Hund stubenrein bekommen: So klappt es beim Welpen und beim erwachsenen Hund
So bekommen Sie Welpen und erwachsene Hunde stubenrein: feste Zeiten, Lob im richtigen Moment, Umgang mit Pannen und wann der Tierarzt die Ursache klären sollte.

Ein Welpe zieht ein – und in den ersten Tagen gehört der Blick auf den Boden zum Alltag. Die gute Nachricht: Hunde bringen eine natürliche Neigung mit, ihren Schlaf- und Liegeplatz sauber zu halten. Stubenreinheit bedeutet, diese Neigung auf die ganze Wohnung auszudehnen und dem Hund beizubringen, wo draußen der richtige Platz ist.
Das gelingt nicht mit Strenge, sondern mit guter Organisation: Sie sorgen dafür, dass der Hund möglichst oft im richtigen Moment am richtigen Ort ist, und belohnen ihn dafür. Jede Panne in der Wohnung ist dagegen eine verpasste Gelegenheit – und kein Fehlverhalten des Hundes.
Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie vorgehen, was Sie bei Pannen tun, wie es nachts klappt und worauf Sie bei erwachsenen Hunden aus dem Tierschutz achten sollten.
Warum Welpen noch nicht „aufhalten“ können
Ein junger Welpe hat eine kleine Blase und kann seine Ausscheidungen noch nicht lange kontrollieren. Er spürt den Drang oft erst kurz vorher und handelt dann sofort. Außerdem weiß er in der neuen Umgebung noch nicht, dass die gesamte Wohnung zu seinem „Nest“ gehört. Ein Flur oder ein selten genutztes Zimmer fühlt sich für ihn schnell wie „draußen“ an.
Daraus folgen zwei Dinge: Erstens tragen Sie in den ersten Wochen die Verantwortung dafür, rechtzeitig mit ihm hinauszugehen. Zweitens ist Schimpfen sinnlos, denn der Welpe kann den Zusammenhang zwischen Ihrem Ärger und einer Pfütze nicht herstellen.
Die Anleitung in sechs Schritten
1. Einen festen Löseplatz wählen
Suchen Sie einen ruhigen Platz nahe der Haustür, möglichst mit Gras oder Erde. Gehen Sie anfangs immer an dieselbe Stelle. Der Geruch früherer Besuche hilft dem Welpen, sich schnell zu lösen. In der Stadt lohnt es sich, eine Ecke abseits von Verkehr und Trubel zu finden – ein aufgeregter Welpe vergisst vor lauter Eindrücken, warum er eigentlich draußen ist.
2. Zu den richtigen Zeitpunkten hinausgehen
Welpen müssen vor allem nach bestimmten Ereignissen. Die Fachtierärztin für Tierverhalten Dunia Thiesen-Moussa empfiehlt in ihrem Leitfaden zur Stubenreinheit, den Welpen hinauszubringen:
- sofort nach jedem Schlafen, auch nach einem kurzen Nickerchen,
- nach dem Spielen,
- etwa zehn Minuten nach dem Fressen oder Trinken,
- sobald er unruhig wird, schnüffelnd im Kreis läuft oder zur Tür geht.
Dazwischen sollten Sie tagsüber alle zwei bis vier Stunden mit ihm hinaus, je nach Alter und Hund. Sehr junge Welpen brauchen eher die kürzeren Abstände. Ein Wecker oder eine Erinnerung im Handy hilft in den ersten Wochen.
3. Draußen ruhig bleiben
Tragen oder führen Sie den Welpen zum Löseplatz und warten Sie ruhig ab. Nicht spielen, nicht ablenken, nicht reden, bis er sich gelöst hat. Wenn nach einigen Minuten nichts passiert, gehen Sie wieder hinein, behalten ihn im Auge und versuchen es nach etwa einer Viertelstunde erneut.
4. Im richtigen Moment loben
Loben Sie, während oder unmittelbar nachdem sich der Welpe gelöst hat – freundlich mit der Stimme und mit einem kleinen Leckerchen, das Sie schon in der Tasche haben. Wer erst in der Wohnung belohnt, belohnt das Hineingehen, nicht das Lösen. Nach dem Geschäft darf es gern noch ein paar Minuten Schnüffeln oder Spiel geben: So lernt der Hund, dass der Ausflug nach dem Lösen nicht sofort vorbei ist.
5. Ein Signal einführen
Sagen Sie jedes Mal, während sich der Welpe löst, ein ruhiges Wort wie „Mach schnell“ oder „Pipi“. Nach einigen Wochen verbindet er das Wort mit dem Vorgang. Das ist später Gold wert – vor einer Autofahrt, bei Regen oder im Urlaub.
6. Drinnen gut beobachten
Wenn Sie den Welpen nicht im Blick haben, kann er ungestört in eine Ecke gehen. Begrenzen Sie seinen Bereich anfangs auf ein oder zwei Räume, etwa mit einem Kindergitter. Ist niemand da, der aufpasst, ist ein gemütlicher, abgegrenzter Ruhebereich sinnvoll. Welches Zubehör dafür wirklich nötig ist, lesen Sie in unserem Beitrag zur Erstausstattung für den Hund.
Ein Tagesablauf als Beispiel
Die folgende Tabelle zeigt, wie ein Tag mit einem jungen Welpen aussehen kann. Die Uhrzeiten sind nur ein Beispiel – entscheidend sind die Anlässe.
| Anlass | Was Sie tun |
|---|---|
| Aufwachen am Morgen | Sofort hinaus, noch vor dem Kaffee |
| Frühstück des Welpen | Etwa zehn Minuten später wieder hinaus |
| Spielen am Vormittag | Direkt danach hinaus |
| Mittagsschlaf | Nach dem Aufwachen hinaus |
| Nachmittag | Alle zwei bis vier Stunden, zusätzlich bei Unruhe |
| Abendfütterung | Etwa zehn Minuten später hinaus |
| Vor dem Schlafengehen | Letzte Runde möglichst spät |
| Nachts | Anfangs ein bis zwei kurze Pausen, siehe unten |
Stubenrein in der Nacht
Viele junge Welpen schaffen die Nacht anfangs nicht ohne Pause. In den ersten Wochen sind nächtliche Gänge alle drei bis vier Stunden üblich, danach werden die Abstände von selbst größer. Stellen Sie das Körbchen oder die Box in die Nähe Ihres Bettes. So merken Sie, wenn der Welpe unruhig wird, und können ihn rechtzeitig hinaustragen.
Nachts gilt: kurz, ruhig und langweilig. Kein Spiel, kein ausgiebiges Kuscheln, nur der Weg zum Löseplatz und zurück. Der Welpe soll lernen, dass die Nacht zum Schlafen da ist.
Ausreichend Schlaf scheint übrigens auch über die Stubenreinheit hinaus wichtig zu sein. In der britischen Langzeitstudie „Generation Pup“ zeigten Welpen, die in den ersten 16 Wochen nachts neun Stunden oder mehr schliefen und nachts in einem begrenzten Bereich waren, später seltener Probleme beim Alleinbleiben (Dale et al. 2024). Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine gesicherten Ursachen – ein ruhiger Schlafplatz schadet aber in keinem Fall.
Was tun bei Pannen?
Pannen gehören dazu. Wichtig ist, wie Sie reagieren.
- Auf frischer Tat ertappt: Unterbrechen Sie den Welpen ruhig, ohne ihn zu erschrecken, und bringen Sie ihn ohne Kommentar nach draußen. Löst er sich dort weiter, loben Sie ihn.
- Pfütze erst später entdeckt: Nichts sagen, nicht zeigen, nicht schimpfen. Der Hund versteht den Zusammenhang nicht mehr. Was nach „schlechtem Gewissen“ aussieht, ist Beschwichtigung – er reagiert auf Ihre Stimmung, nicht auf seine Tat. Mehr dazu erklärt unser Beitrag zur Körpersprache von Hunden.
- Gründlich reinigen: Hundenasen finden Geruchsreste, die wir längst nicht mehr wahrnehmen. Reinigen Sie am besten, wenn der Welpe nicht zusieht. Enzymreiniger aus dem Tierbedarf zersetzen Urinreste gründlicher als normale Haushaltsreiniger. Ammoniakhaltige Mittel eignen sich nicht, weil ihr Geruch an Urin erinnert.
Auf keinen Fall sollten Sie den Hund bestrafen, ihm die Nase in die Pfütze drücken oder ihn anschreien. Das ist nicht nur unfair, sondern bewirkt das Gegenteil: Der Hund lernt, dass Lösen in Ihrer Gegenwart gefährlich ist. Dann versteckt er sich zum Pinkeln hinter dem Sofa – und hält draußen an der Leine ein, bis Sie wieder drinnen sind.
Welpenunterlage oder Zeitung?
Saugfähige Welpenunterlagen oder Zeitungspapier können in Ausnahmefällen eine Übergangslösung sein, etwa für sehr kleine Welpen in einer Wohnung ohne schnellen Weg nach draußen. Sie haben aber einen Nachteil: Der Hund lernt, dass Lösen in der Wohnung erlaubt ist, und muss später umlernen. Wenn es irgendwie geht, bringen Sie den Welpen von Anfang an nach draußen. Falls Sie doch mit Unterlage arbeiten, legen Sie sie nahe an die Tür und bauen Sie sie Schritt für Schritt ab.
Wie lange dauert es?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Welpen sind nach wenigen Wochen weitgehend sauber, bei anderen dauert es mehrere Monate. Kleine Rassen brauchen oft länger als große. Rückschritte sind normal, etwa bei Aufregung, einem Umzug, einer Futterumstellung oder in der Pubertät.
Planen Sie deshalb Zeit ein. Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt ohnehin, dass Welpen bis zum Alter von 20 Wochen mindestens vier Stunden am Tag Umgang mit einer Betreuungsperson haben. Wer in den ersten Wochen Urlaub nimmt oder von zu Hause arbeitet, erleichtert sich und dem Hund die Stubenreinheit erheblich.
Pinkeln vor Aufregung oder Unsicherheit
Manche Welpen und junge Hunde verlieren ein paar Tropfen, wenn sie sich sehr freuen oder unsicher sind – etwa bei der Begrüßung oder wenn sich jemand über sie beugt. Das ist keine mangelnde Stubenreinheit, sondern eine körperliche Reaktion, die der Hund nicht steuern kann.
Hilfreich ist, Begrüßungen ruhig zu halten: in die Hocke gehen statt sich vorzubeugen, leise sprechen, den Hund erst beachten, wenn er sich beruhigt hat, und Begrüßungen nach draußen verlegen. Schimpfen verschlimmert das Problem, weil es die Unsicherheit steigert. Bei vielen Hunden verliert sich das Verhalten mit dem Erwachsenwerden.
Erwachsene Hunde stubenrein bekommen
Hunde aus dem Tierschutz, aus dem Ausland oder aus Zwingerhaltung haben oft nie gelernt, dass eine Wohnung sauber bleiben soll. Die gute Nachricht: Sie können es in jedem Alter lernen, und zwar genauso wie ein Welpe.
- Behandeln Sie den Hund in den ersten Wochen wie einen Welpen: feste Gassizeiten, nach dem Schlafen und Fressen hinaus, draußen loben.
- Ein erwachsener Hund kann länger einhalten. Die Abstände dürfen daher größer sein als beim Welpen – aber nicht zu groß, solange er noch lernt.
- Manche Hunde lösen sich anfangs nicht an der Leine, weil sie das nie kennengelernt haben. Eine lange Leine, ein ruhiger Platz und viel Geduld helfen.
- Rüden, die in der Wohnung an Möbel pinkeln, markieren oft eher, als dass sie „müssen“. Auch hier hilft: gründlich reinigen, gut beaufsichtigen, draußen loben. Ob eine Kastration sinnvoll ist, klären Sie mit dem Tierarzt – sie ist keine automatische Lösung.
Rechnen Sie bei erwachsenen Hunden mit Rückschritten in den ersten Wochen im neuen Zuhause. Stress und Umstellung wirken sich auch auf die Verdauung aus.
Wann der Tierarzt klären sollte, was los ist
Nicht jede Pfütze hat mit Erziehung zu tun. Lassen Sie Ihren Hund tierärztlich untersuchen, wenn:
- ein bisher stubenreiner Hund plötzlich wieder in die Wohnung macht,
- er auffällig oft kleine Mengen absetzt, beim Pinkeln presst oder Blut im Urin zu sehen ist,
- er deutlich mehr trinkt und mehr Urin absetzt als sonst,
- Urin im Liegen oder Schlaf unbemerkt abtropft,
- Durchfall der Grund für die Pannen ist oder länger als ein bis zwei Tage anhält,
- ein älterer Hund zusätzlich verwirrt oder orientierungslos wirkt.
Hinter solchen Anzeichen können zum Beispiel Blasenentzündungen, Harnsteine, Inkontinenz, Stoffwechselerkrankungen oder altersbedingte Veränderungen stecken. Welche Warnzeichen generell ernst zu nehmen sind, fasst unser Überblick zu Hundekrankheiten zusammen. Eine Diagnose kann nur der Tierarzt stellen.
Häufige Fragen
Soll ich meinen Hund nachts in eine Box sperren?
Eine Box kann helfen, weil Hunde ihren Schlafplatz ungern beschmutzen. Sie muss aber vorher in Ruhe und positiv eingeführt werden, groß genug sein und darf nie Strafe sein. Ein Welpe, der sich in der Box meldet, muss sofort hinaus dürfen.
Mein Welpe pinkelt direkt nach dem Spaziergang in die Wohnung. Warum?
Oft ist draußen zu viel los, und der Welpe vergisst vor lauter Eindrücken sein Geschäft. Zu Hause entspannt er sich – und dann muss er. Gehen Sie zuerst an den ruhigen Löseplatz, warten Sie dort, und starten Sie das Erkunden erst nach dem Lösen.
Ab wann sollte ein Hund stubenrein sein?
Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Viele Welpen sind mit vier bis sechs Monaten zuverlässig sauber, manche früher, manche später. Wichtiger als das Alter ist, dass die Pannen stetig seltener werden.
Hilft es, den Welpen nach einer Panne kurz zu schimpfen?
Nein. Schimpfen verunsichert den Welpen und macht ihn eher heimlicher. Unterbrechen Sie ihn ruhig und bringen Sie ihn nach draußen – das ist alles.
Fazit
Stubenreinheit ist vor allem eine Frage der Aufmerksamkeit: Wer die typischen Momente kennt, rechtzeitig hinausgeht und draußen im richtigen Moment lobt, hat die Hauptarbeit schon erledigt. Pannen gehören dazu und sind kein Grund für Ärger. Mit Geduld wird fast jeder Hund stubenrein, auch der erwachsene aus dem Tierschutz. Und wenn ein sauberer Hund plötzlich wieder unsauber wird, ist der Tierarzt die erste Adresse. Wie Sie auf dieser Grundlage die weitere Erziehung aufbauen, lesen Sie in unserem Ratgeber Hundeerziehung und Hundetraining.
Quellen und weiterführende Informationen (4)
- Training zur Stubenreinheit des Welpen – Dr. Dunia Thiesen-Moussa, Fachtierärztin für Tierverhalten
- VDH-Welpenratgeber: Stubenreinheit
- Tierschutz-Hundeverordnung, § 2 (Umgang mit Welpen)
- Dale, Burn, Murray, Casey (2024): Canine separation-related behaviour at six months of age – Generation Pup, Animal Welfare


