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Erziehung

Apportieren beibringen: Schritt für Schritt zum freudigen Bringen

So lernt Ihr Hund, Gegenstände aufzunehmen, zu bringen und freiwillig abzugeben: Anleitung in sieben Schritten, passende Apportel und typische Probleme.

Von der Redaktion hunde-links24.deÜberarbeitet am 26. September 2026

Ein nasser schwarzer Labrador trägt einen orangefarbenen Dummy im Maul durch das Gras

Etwas suchen, aufnehmen und zu seinem Menschen tragen: Für viele Hunde gehört das zu den schönsten Aufgaben überhaupt. Apportieren verbindet Bewegung mit Konzentration und Zusammenarbeit – und es macht einfach Spaß, wenn der Hund stolz mit seinem Fund angetrabt kommt.

Trotzdem klappt es selten von allein. Manche Hunde rennen dem Ball zwar begeistert hinterher, bringen ihn aber nicht zurück. Andere lassen nicht los, kauen auf dem Spielzeug herum oder interessieren sich gar nicht dafür. Mit einem klaren Aufbau in kleinen Schritten lernen es dennoch fast alle Hunde.

Warum sich Apportieren lohnt

  • Kopfarbeit: Merken, wo etwas gelandet ist, suchen, finden – das fordert den Hund geistig.
  • Zusammenarbeit: Der Hund lernt, dass es sich lohnt, mit einem Fund zu Ihnen zu kommen, statt damit abzuhauen.
  • Tauschen lernen: Wer gelernt hat, Gegenstände freiwillig abzugeben, gibt im Ernstfall auch eher etwas Gefundenes her.
  • Flexible Beschäftigung: Apportieren funktioniert im Garten, auf der Wiese und in einfacher Form auch in der Wohnung.

Ein Wort zur Dosierung: Viele Hunde können sich beim schnellen Ballwerfen stark hochfahren und finden dann schwer wieder zur Ruhe. Abwechslungsreiche Aufgaben – mal warten, mal suchen, mal nur ein kurzer Wurf – lasten meist besser aus als zwanzig Würfe hintereinander.

Welche Hunde apportieren gern?

Einige Rassen wurden gezielt für das Bringen gezüchtet. Dazu gehören vor allem die Retriever – vom englischen „to retrieve“, zurückholen –, etwa Labrador, Golden, Flat-Coated oder Nova Scotia Duck Tolling Retriever. Auch viele Vorstehhunde wie Münsterländer, Weimaraner oder Deutsch Drahthaar haben das Bringen von Wild im Erbe. Wer mehr über die Anlagen verschiedener Rassen wissen möchte, findet einen Überblick in unserem Ratgeber zu Hunderassen.

Das heißt aber nicht, dass andere Hunde nicht apportieren können. Auch viele Mischlinge, Hütehunde und Terrier tragen mit Begeisterung Dinge herum. Umgekehrt hat nicht jeder Retriever automatisch Lust darauf. Entscheidend ist der einzelne Hund.

Rücksicht brauchen:

  • Welpen und Junghunde: kurze Einheiten, kaum Rennen, keine Würfe mit abrupten Stopps oder Sprüngen, solange die Gelenke noch wachsen.
  • Ältere Hunde oder Hunde mit Gelenkproblemen: lieber Suchen und ruhiges Bringen statt Hetzen.
  • Kurzköpfige Rassen: Diese Hunde überhitzen schnell. Bei Wärme besser in den Schatten, kurz halten und Pausen machen.

Das richtige Apportel

Ein guter Apportiergegenstand passt zur Größe des Mauls, lässt sich gut greifen und ist weder zu schwer noch zu hart. Geeignet sind:

  • Dummys: stoffbezogene Säckchen, die es in verschiedenen Größen und Gewichten gibt. Sie sind der Klassiker im Apportiertraining.
  • Futterdummys: Beutel mit Reißverschluss, in den Futter kommt. Für viele Hunde besonders reizvoll, weil sie sich die Belohnung selbst bringen.
  • Weiche Spielzeuge oder Seile, die Ihr Hund ohnehin mag.
  • Bälle, sofern sie groß genug sind, dass Ihr Hund sie nicht verschlucken kann.

Keine Stöckchen. Das Stöckchenwerfen wirkt harmlos, ist aber riskant: Bleibt der Stock beim Aufnehmen im Rennen im Boden stecken, kann er sich in Maul, Zunge oder Rachen bohren. Nach Angaben der Tierklinik Schwarzmann zeigen viele Hunde solche Verletzungen nicht deutlich, weil sie das Blut schlucken. Tierärztliche Praxen raten deshalb vom Stöckchenwerfen ab.

Vor dem Start: Tauschen lernen

Der häufigste Stolperstein beim Apportieren ist nicht das Hinlaufen, sondern das Abgeben. Hunde, denen man Dinge immer wieder aus dem Maul gezogen hat, lernen: Wer etwas im Maul hat, sollte besser Abstand halten. In einer Befragung von Haltern verhaltensauffälliger Hunde reagierten 39 Prozent der Hunde mit Aggression, wenn ihnen ein Gegenstand gewaltsam aus dem Maul genommen wurde (Herron et al. 2009).

Üben Sie deshalb zuerst das Tauschen:

  1. Geben Sie Ihrem Hund ein Spielzeug, das ihm gefällt, aber nicht sein allerliebstes ist.
  2. Halten Sie ihm ein besonders gutes Leckerli direkt vor die Nase.
  3. Sobald er das Spielzeug loslässt, sagen Sie Ihr Signal – etwa „Aus“ oder „Danke“ – und geben das Leckerli.
  4. Geben Sie ihm das Spielzeug anschließend oft zurück. So lernt er: Abgeben bedeutet nicht, dass der Spaß vorbei ist.

Nach einigen Wiederholungen sagen Sie das Signal, bevor Sie das Leckerli zeigen. Lässt Ihr Hund dann los, hat er verstanden, worum es geht.

In sieben Schritten zum sicheren Apportieren

Die folgenden Schritte bauen aufeinander auf. Gehen Sie erst weiter, wenn der vorige in den meisten Versuchen klappt. Ein Markersignal oder Clickertraining hilft, den richtigen Moment genau zu treffen.

Schritt 1: Interesse wecken

Spielen Sie in ruhiger Umgebung kurz mit dem Apportel, lassen Sie es über den Boden hüpfen oder verstecken Sie es halb hinter Ihrem Rücken. Belohnen Sie jedes Interesse: Hinschauen, Hinlaufen, Anstupsen.

Schritt 2: Aufnehmen belohnen

Legen Sie das Apportel vor sich auf den Boden. Nimmt Ihr Hund es ins Maul, markieren Sie diesen Moment und tauschen gegen eine Belohnung. Manche Hunde brauchen dafür Zwischenschritte: erst Anstupsen, dann Maul öffnen, dann Aufnehmen.

Schritt 3: Halten

Nun warten Sie einen Augenblick, bevor Sie markieren – erst eine halbe Sekunde, dann eine, dann zwei. So lernt Ihr Hund, den Gegenstand ruhig zu halten, statt ihn sofort fallen zu lassen oder darauf herumzukauen.

Schritt 4: Die ersten Schritte zu Ihnen

Gehen Sie einen Schritt zurück, während Ihr Hund das Apportel hält. Kommt er hinterher, markieren und tauschen Sie. Vergrößern Sie den Abstand langsam auf einige Meter. Gehen Sie dabei in die Hocke und wenden Sie sich leicht seitlich – das wirkt einladender als frontales Beugen über den Hund.

Schritt 5: Abgeben in die Hand

Achten Sie darauf, dass der Gegenstand bei Ihnen in der Hand landet und nicht irgendwo vor Ihren Füßen. Halten Sie die Hand ruhig unter das Maul, sagen Sie Ihr Tauschsignal und belohnen Sie.

Schritt 6: Werfen und Signal einführen

Werfen Sie das Apportel jetzt ein kleines Stück weit. Viele Hunde laufen hin; die bisher geübten Schritte sorgen dafür, dass sie auch zurückkommen. Bringt Ihr Hund das Apportel zuverlässig, geben Sie der Aufgabe einen Namen, zum Beispiel „Bring“. Sagen Sie das Signal, bevor Sie den Hund losschicken.

Wenn Sie möchten, bauen Sie ein kurzes Warten ein: Der Hund bleibt sitzen, bis Sie ihn schicken. Das fördert die Impulskontrolle und verhindert, dass er schon beim Ausholen losstürmt.

Schritt 7: Entfernung, Ablenkung und Suche

Erst jetzt steigern Sie die Anforderungen – immer nur eine auf einmal: größere Entfernung, ein neuer Ort, mehr Ablenkung, höheres Gras, ein versteckter Gegenstand. Das Suchen nach einem ausgelegten Apportel, das der Hund nicht fallen sah, ist für viele Hunde die schönste Variante, weil sie die Nase einsetzen dürfen.

Wenn es nicht klappt

Der Hund rennt mit der Beute weg

Laufen Sie nicht hinterher – daraus wird schnell ein Fangspiel, das der Hund gewinnt. Gehen Sie stattdessen ein paar Schritte in die andere Richtung, machen Sie sich interessant und belohnen Sie großzügig, wenn er kommt. Üben Sie eine Weile an einer Schleppleine (am Brustgeschirr) oder in einem schmalen Flur, in dem Weglaufen nicht möglich ist. Und prüfen Sie, ob das Tauschen wirklich sitzt.

Der Hund bringt, lässt aber nicht los

Dann ist das Tauschen noch nicht gefestigt. Gehen Sie zurück zum Tauschtraining mit weniger wertvollen Gegenständen und besseren Belohnungen. Ziehen Sie nicht am Apportel, sonst wird ein Zerrspiel daraus.

Der Hund lässt das Apportel unterwegs fallen

Üben Sie das Halten (Schritt 3) noch einmal und verkürzen Sie die Strecke. Auch ein anderes Apportel kann helfen – manchen Hunden ist ein Gegenstand zu schwer, zu hart oder unangenehm im Maul.

Der Hund interessiert sich gar nicht dafür

Probieren Sie einen Futterdummy oder ein anderes Material. Halten Sie die Einheiten sehr kurz und hören Sie auf, bevor Ihr Hund das Interesse verliert. Manche Hunde finden Suchspiele spannender als das Bringen selbst – dann beginnen Sie mit dem Suchen und bauen das Bringen später dazu. Und manche Hunde mögen es schlicht nicht besonders; das ist in Ordnung, es gibt viele andere Beschäftigungen.

Apportieren als Teil der Erziehung

Apportieren ist eine gute Beschäftigung für Hunde, die gern jagen oder beim Spaziergang alles Mögliche aufnehmen. Es ersetzt aber weder ein Antijagdtraining noch die Absicherung mit Schleppleine, und es verhindert nicht zuverlässig, dass ein Hund Essbares vom Boden frisst. Hier helfen ein gut geübtes Tauschsignal, Management und bei Bedarf ein gut sitzender, vorher positiv trainierter Maulkorb.

Wie Sie Apportieren in ein durchdachtes Training einbetten, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Hundeerziehung. Dort gilt dasselbe wie hier: Druck, Zwang und schmerzhafte Hilfsmittel haben im Training keinen Platz – sie sind nach der Tierschutz-Hundeverordnung bei Ausbildung und Erziehung auch verboten.

Wann Ihr Hund zum Tierarzt sollte

Gehen Sie mit Ihrem Hund in die Tierarztpraxis, wenn er

  • nach dem Spiel würgt, hustet, speichelt, Blut im Maul hat oder plötzlich nicht mehr fressen mag – besonders, wenn er mit einem Stock oder hartem Gegenstand gespielt hat,
  • einen Gegenstand oder Teile davon verschluckt hat,
  • nach dem Rennen lahmt, steif geht oder Schmerzen zeigt,
  • bei Wärme stark hechelt, taumelt oder teilnahmslos wirkt.

Ziehen Sie steckende Fremdkörper nicht selbst aus Maul oder Rachen, sondern lassen Sie das tierärztlich versorgen.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann ein Hund apportieren lernen?

Die Grundlagen – Aufnehmen, Tragen, Tauschen – können schon Welpen spielerisch üben. Weite Würfe, schnelles Hetzen und Sprünge warten, bis der Hund ausgewachsen ist.

Kann ich Apportieren auch in der Wohnung üben?

Ja, die ersten Schritte bis zum kurzen Bringen gelingen drinnen oft besonders gut, weil es wenig Ablenkung gibt. Achten Sie auf rutschfesten Boden.

Wie oft sollte ich üben?

Lieber mehrmals pro Woche ein paar Minuten als selten lange. Fünf bis zehn Bringaufgaben pro Einheit reichen für den Anfang.

Gibt es Apportieren auch als Hundesport?

Ja. In vielen Hundeschulen und Vereinen gibt es Dummytraining, das sich an der Arbeit von Retrievern orientiert. Es ist für alle Hunde offen, die Freude am Suchen und Bringen haben.

Fazit

Apportieren beginnt nicht mit dem Werfen, sondern mit dem Abgeben. Wer zuerst das Tauschen übt, das Aufnehmen und Halten belohnt und die Anforderungen nur langsam steigert, bekommt einen Hund, der gern und zuverlässig bringt. Verzichten Sie auf Stöckchen, dosieren Sie das Ballspiel und nutzen Sie auch die Nase Ihres Hundes – dann wird Apportieren zu einer Beschäftigung, die Kopf und Beziehung gleichermaßen stärkt.

Quellen und weiterführende Informationen (3)
  1. Tierklinik Schwarzmann: Stöckchenverletzung
  2. Herron, Shofer, Reisner (2009): Survey of the use and outcome of confrontational and non-confrontational training methods
  3. Tierschutz-Hundeverordnung, § 2 (Verbot schmerzhafter Mittel bei der Ausbildung)