Gesundheit
Hundekrankheiten: Warnzeichen erkennen und richtig reagieren
Welche Krankheiten bei Hunden häufig sind, an welchen Anzeichen Sie sie erkennen und bei welchen Warnzeichen Ihr Hund sofort in die Tierarztpraxis gehört.

Hunde zeigen Schmerzen und Unwohlsein oft erst spät. Das hat nichts mit Tapferkeit zu tun, sondern mit ihrer Art: Viele Beschwerden äußern sich nur in kleinen Veränderungen – der Hund trinkt mehr, springt nicht mehr aufs Sofa, frisst langsamer oder zieht sich zurück. Wer seinen Hund gut kennt, bemerkt solche Abweichungen früh.
Dieser Überblick hilft Ihnen, Warnzeichen einzuordnen: Was ist ein Notfall, was sollte zeitnah abgeklärt werden, und welche Erkrankungen kommen bei Hunden besonders häufig vor? Eine Diagnose kann er nicht ersetzen – wir sind keine Tierärzte, und die meisten Beschwerden haben mehrere mögliche Ursachen. Behandlungsanleitungen finden Sie hier deshalb bewusst nicht.
Wichtig vorweg: Geben Sie Ihrem Hund keine Schmerzmittel aus der eigenen Hausapotheke. Einige gängige Präparate für Menschen sind für Hunde gefährlich.
Notfälle: Wann Ihr Hund sofort zum Tierarzt muss
Bei den folgenden Anzeichen warten Sie nicht bis morgen. Rufen Sie Ihre Tierarztpraxis oder – nachts und am Wochenende – den tierärztlichen Notdienst oder eine Tierklinik an und fahren Sie direkt hin:
- Atemnot: angestrengtes Atmen, Atmen mit offenem Maul in Ruhe, bläuliche oder sehr blasse Schleimhäute
- Aufgeblähter, harter Bauch mit erfolglosem Würgen: Verdacht auf Magendrehung, vor allem bei großen Hunden mit tiefem Brustkorb. Hier zählt jede Stunde.
- Kollaps, Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, der länger als wenige Minuten dauert oder sich wiederholt
- Verdacht auf Vergiftung: etwa Schokolade, Xylit (Birkenzucker), Rattengift, Schneckenkorn, Medikamente – auch wenn der Hund noch unauffällig wirkt. Verpackung mitnehmen.
- Starke Blutungen, tiefe Wunden, Unfall – auch ohne sichtbare Verletzung, denn innere Blutungen zeigen sich oft verzögert
- Hitzschlag: Hecheln, das nicht aufhört, Taumeln, Erbrechen nach Hitzeeinwirkung
- Kein Urin, obwohl der Hund es immer wieder versucht
- Heftiges Erbrechen oder Durchfall mit Blut, besonders bei Welpen, Senioren und kleinen Hunden, die schnell austrocknen
- Plötzliche Lähmung oder der Hund kann nicht mehr aufstehen
- Starke Schmerzen: Schreien bei Berührung, gekrümmter Rücken, Zittern
- Bei Hündinnen: eitriger Ausfluss, großer Durst und Mattigkeit einige Wochen nach der Läufigkeit (möglich ist eine Gebärmutterentzündung) sowie Probleme bei der Geburt
Zeitnah abklären lassen: die leisen Warnzeichen
Diese Anzeichen sind kein Notfall, sollten aber innerhalb weniger Tage untersucht werden – oder sofort, wenn sie sich verschlimmern:
- Der Hund trinkt deutlich mehr oder muss häufiger Wasser lassen
- Er frisst schlecht oder nimmt ohne Futterumstellung ab oder zu
- Durchfall oder Erbrechen, das länger als einen Tag anhält
- Husten, schnellere Atmung im Schlaf, rasche Erschöpfung beim Spaziergang
- Lahmen, steifes Aufstehen, Zögern an Treppen oder vor dem Auto
- Kratzen, Lecken, Kopfschütteln, gerötete Haut, Geruch aus den Ohren
- Mundgeruch, einseitiges Kauen, Speicheln
- Knoten oder Schwellungen unter der Haut, die neu sind oder wachsen
- Verhaltensänderungen: Gereiztheit, Rückzug, nächtliche Unruhe, Orientierungslosigkeit
Notieren Sie, seit wann die Veränderung besteht und was Ihnen aufgefallen ist. Fotos oder kurze Videos (etwa vom Lahmen oder vom Husten) helfen in der Praxis sehr.
Häufige Erkrankungen im Überblick
Haut und Ohren
Juckreiz gehört zu den häufigsten Gründen für einen Tierarztbesuch. Hinter ihm stecken oft Parasiten wie Flöhe oder Milben, Allergien gegen Umweltstoffe (etwa Pollen oder Hausstaubmilben) oder seltener gegen Futterbestandteile. Ohrentzündungen gehen häufig mit einer Allergie einher; Hunde mit Hängeohren oder engen Gehörgängen sind anfälliger.
Schon ein einziger Floh kann bei allergischen Hunden starken Juckreiz auslösen, wie ESCCAP Deutschland in seinen Informationen zu Flöhen bei Hunden beschreibt. Was bei einem Befall zu tun ist, lesen Sie in unserem Ratgeber Hundeflöhe bekämpfen.
Magen und Darm
Durchfall und Erbrechen haben viele Ursachen: verdorbene Fundstücke, abrupte Futterwechsel, Würmer oder Einzeller wie Giardien, Infektionen, aber auch Erkrankungen anderer Organe. Ein einzelner Durchfall bei sonst munterem Hund ist meist harmlos. Hält er an, ist Blut dabei oder wirkt der Hund matt, gehört er in die Praxis.
Zähne und Zahnfleisch
Zahnstein und Zahnfleischentzündung (Parodontitis) sind bei erwachsenen Hunden sehr verbreitet, besonders bei kleinen Rassen. Sie verursachen Schmerzen, die Hunde lange verbergen. Mundgeruch, gerötetes Zahnfleisch und einseitiges Kauen sind typische Hinweise. Ein Blick ins Maul gehört zu jedem Gesundheitscheck; Regelmäßiges Zähneputzen mit Hundezahnpasta gilt in der Tiermedizin als wirksamste Vorsorge zu Hause.
Gelenke und Bewegungsapparat
Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung älterer Hunde. Sie entwickelt sich schleichend, oft als Folge von Fehlentwicklungen wie Hüft- oder Ellbogendysplasie (HD/ED), einem Kreuzbandriss oder Übergewicht. Kleine Rassen neigen zu einer herausspringenden Kniescheibe (Patellaluxation), lange Rücken wie beim Dackel zu Bandscheibenvorfällen. Typische Zeichen sind Anlaufschwierigkeiten nach dem Liegen und eine nachlassende Lust auf lange Runden. Ob Nahrungsergänzungen wie die Grünlippmuschel etwas beitragen können, besprechen Sie am besten in der Praxis.
Übergewicht
Übergewicht ist keine Schönheitsfrage. Es belastet Gelenke, Herz und Atmung und begünstigt weitere Erkrankungen. Ob Ihr Hund zu schwer ist, können Sie selbst prüfen: Die Rippen sollten sich mit leichtem Druck gut ertasten lassen, und von oben sollte eine Taille zu erkennen sein. Leckerlis und Kauartikel zählen zur Tagesration.
Herz
Bei kleinen und mittelgroßen Hunden ist eine Erkrankung der Mitralklappe die häufigste Herzkrankheit; bei großen Rassen kommt häufiger eine Erweiterung des Herzmuskels (dilatative Kardiomyopathie) vor. Hinweise sind Husten, schnelle Atmung im Schlaf und nachlassende Belastbarkeit. Angeborene Herzfehler werden oft schon beim Welpen als Herzgeräusch entdeckt.
Hormone und Stoffwechsel
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich in Trägheit, Gewichtszunahme und Fellveränderungen zeigen. Vermehrter Durst mit häufigem Wasserlassen kann auf Diabetes, Nierenerkrankungen oder eine Überfunktion der Nebennierenrinde (Cushing-Syndrom) hindeuten. Alle diese Erkrankungen lassen sich per Blutuntersuchung eingrenzen – und sind besser behandelbar, je früher sie erkannt werden.
Infektionskrankheiten
Gegen einige gefährliche Infektionen gibt es wirksame Impfungen. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) zählt in ihrer Impfleitlinie für Kleintiere Staupe, Parvovirose und Leptospirose zu den Kernimpfungen für jeden Hund. Die Tollwutimpfung ist für Reisen ins Ausland Pflicht. Welche weiteren Impfungen sinnvoll sind, hängt von Lebensumständen und Reiseplänen ab – vor einer Reise in den Süden lohnt zusätzlich ein Blick auf Mittelmeerkrankheiten, siehe Urlaub mit Hund.
Tumore
Mit steigendem Alter nehmen Tumorerkrankungen zu. Nicht jeder Knoten ist bösartig, aber das lässt sich von außen nicht erkennen. Neue oder wachsende Knoten sollten deshalb untersucht werden – häufig reicht eine einfache Probe mit einer feinen Nadel für eine erste Einschätzung.
Rasse und Zucht: angeborene Risiken
Manche Erkrankungen sind erblich und treten bei bestimmten Rassen gehäuft auf. Beispiele:
- Kurzköpfige Rassen wie Mops, Französische Bulldogge oder Englische Bulldogge leiden häufig unter Atemnot durch verengte Atemwege (brachyzephales Syndrom), dazu kommen Augen- und Hautfaltenprobleme.
- Große und schwere Rassen tragen ein höheres Risiko für HD/ED, Magendrehung und bestimmte Herzerkrankungen.
- Kleine Rassen neigen zu Patellaluxation und Zahnproblemen.
- Merle-Träger: Werden zwei Merle-Hunde miteinander verpaart, haben die Welpen ein hohes Risiko für Taubheit und Augenfehlbildungen.
- Rhodesian Ridgeback: Der namensgebende Haarkamm ist genetisch mit dem Dermoidsinus verknüpft, einer Fehlbildung im Rückenbereich.
Das Tierschutzgesetz verbietet in § 11b Zuchten, bei denen die Nachkommen voraussichtlich unter erblich bedingten Schmerzen, Leiden oder Schäden leiden. Wer einen Rassehund sucht, sollte nach Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere fragen und auf extreme Merkmale verzichten. Mehr zur Wahl eines passenden Hundes lesen Sie unter Hunderassen. Auch Mischlinge können erkranken – ein Freibrief sind sie nicht.
Vorsorge: was Sie selbst tun können
- Jährlicher Gesundheitscheck, bei Senioren ab etwa sieben bis acht Jahren gern halbjährlich, oft mit Blutuntersuchung.
- Impfschutz nach der Leitlinie der StIKo Vet aktuell halten.
- Parasitenschutz passend zum Risiko – Flöhe, Zecken, Würmer. Lassen Sie sich in der Praxis beraten, welche Maßnahmen für Ihren Hund sinnvoll sind.
- Gewicht im Blick behalten: einmal im Monat wiegen oder abtasten.
- Zähne pflegen, idealerweise täglich putzen.
- Wöchentlicher Kurz-Check zu Hause: Ohren, Augen, Zähne, Pfoten, Haut abtasten. So bemerken Sie Veränderungen früh, und Ihr Hund gewöhnt sich ans Anfassen – das erleichtert jede Untersuchung.
Häufige Fragen
Woran merke ich, dass mein Hund Schmerzen hat?
Hunde zeigen Schmerz oft indirekt: Sie bewegen sich weniger, liegen anders, hecheln in Ruhe, lecken eine Stelle, reagieren gereizt bei Berührung oder fressen schlechter. Auch ein veränderter Gesichtsausdruck mit angespannten Augen und zurückgelegten Ohren kann ein Hinweis sein.
Wie messe ich Fieber beim Hund?
Mit einem digitalen Thermometer im After, die Spitze mit etwas Vaseline versehen. Die normale Körpertemperatur liegt bei erwachsenen Hunden ungefähr zwischen 38 und 39 Grad. Deutlich höhere oder niedrigere Werte sollten Sie telefonisch mit Ihrer Praxis besprechen.
Darf ich meinem Hund bei Durchfall etwas geben?
Bei einem munteren erwachsenen Hund mit einmaligem Durchfall genügt oft Schonkost und viel frisches Wasser – fragen Sie im Zweifel kurz in der Praxis nach. Medikamente aus der eigenen Hausapotheke sind tabu.
Sind Mischlinge gesünder als Rassehunde?
Mischlinge tragen seltener die typischen Erbkrankheiten einer einzelnen Rasse, erkranken aber genauso an Arthrose, Zahnproblemen oder Tumoren. Entscheidend sind Gesundheit der Elterntiere, Haltung und Vorsorge.
Fazit
Die meisten Hundekrankheiten lassen sich besser behandeln, je früher sie erkannt werden. Sie müssen dafür keine Diagnosen stellen können – es reicht, Ihren Hund gut zu beobachten, Veränderungen ernst zu nehmen und bei Notfallzeichen sofort zu handeln. Den Rest übernimmt die Tierarztpraxis, mit der Sie am besten ein Vertrauensverhältnis aufbauen, bevor es ernst wird.


