Zum Inhalt springen
hunde-links24Das Hundemagazin

Ernährung

Hundefutter im Test: So beurteilen Sie Futter selbst

So prüfen Sie Hundefutter selbst: Alleinfutter oder Ergänzungsfutter, Etikett und Rohanalyse lesen, Fütterungsempfehlung kontrollieren, am Hund beobachten.

Von der Redaktion hunde-links24.deÜberarbeitet am 26. September 2026

Beagle frisst im Garten aus einem Edelstahlnapf

Das Angebot an Hundefutter ist riesig, und fast jede Packung verspricht „artgerecht“, „premium“ oder „natürlich“. Welche Sorte wirklich gut ist, lässt sich an solchen Werbewörtern nicht ablesen. Wir haben kein eigenes Labor und führen keine eigenen Futtertests durch. Was wir Ihnen stattdessen zeigen: wie Sie ein Futter selbst beurteilen – mit dem Etikett, einem Taschenrechner und einem aufmerksamen Blick auf Ihren Hund.

Gut zu wissen: Ein teures Futter ist nicht automatisch besser. Die Stiftung Warentest fand in ihrem Test von Hunde-Trockenfutter (Ausgabe 8/2025) auch sehr preiswerte Produkte, die ausgewogen versorgen.

Schritt 1: Alleinfutter oder Ergänzungsfutter?

Das Wichtigste steht oft klein auf der Packung: die Art des Futtermittels. Nach der EU-Futtermittelverordnung (EG) Nr. 767/2009 muss sie angegeben werden.

  • Alleinfuttermittel (auch „Alleinfutter“): Es soll allein den gesamten Nährstoffbedarf decken, wenn es in der empfohlenen Menge gefüttert wird. Nur ein solches Futter eignet sich als Hauptmahlzeit.
  • Ergänzungsfuttermittel: Es deckt den Bedarf allein nicht. Dazu gehören Snacks, Kauartikel, viele Dosen „nur Fleisch“ und Flocken, die mit anderem kombiniert werden müssen.

Wer über längere Zeit nur ein Ergänzungsfutter füttert, riskiert Mängel an Mineralstoffen, Spurenelementen oder Vitaminen – auch wenn der Hund zunächst gesund wirkt.

Achten Sie zusätzlich darauf, für wen das Futter gedacht ist: Welpenfutter, Futter für ausgewachsene Hunde und für Senioren unterscheiden sich im Nährstoffgehalt. Für Welpen großer Rassen ist ein passendes Wachstumsfutter besonders wichtig.

Schritt 2: Die Zusammensetzung lesen

Unter „Zusammensetzung“ stehen die Zutaten, geordnet nach ihrem Gewichtsanteil – das Erste ist am meisten enthalten. Hersteller dürfen statt einzelner Zutaten auch Sammelbegriffe verwenden, etwa „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ oder „Getreide“. Dann wissen Sie nicht genau, was drin ist. Eine offene Angabe mit einzelnen Zutaten und Prozentzahlen ist transparenter, aber nicht automatisch gesünder.

Was „mit Huhn“ wirklich bedeutet

Der Europäische Heimtiernahrungsverband FEDIAF hat in seinem Kennzeichnungskodex festgelegt, was bestimmte Formulierungen bedeuten (Leitfaden für Verbraucher):

Aufschrift Mindestanteil der genannten Zutat
„mit Huhn“ 4 %
„reich an Huhn“ 14 %
„Huhn-Menü“ o. Ä. 26 %

Ein Futter „mit Lamm“ kann also zum größten Teil aus etwas anderem bestehen.

Tierische Nebenerzeugnisse

Der Begriff klingt schlechter, als er ist. Gemeint sind Teile geschlachteter Tiere, die für den menschlichen Verzehr nicht genutzt werden, zum Beispiel Innereien wie Leber, Herz oder Pansen. Viele davon sind nährstoffreich. Das Problem ist eher die fehlende Genauigkeit: Welche Teile es sind, verrät der Sammelbegriff nicht.

Getreide, Kartoffel, Erbsen

Hunde können Stärke aus gekochtem Getreide oder Kartoffeln gut verwerten. Getreide ist für die meisten Hunde kein Problem; eine echte Getreideallergie ist selten. Mehr dazu im Beitrag Muss Hundefutter getreidefrei sein?

Zusatzstoffe

Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren werden als Zusatzstoffe angegeben – in einem Alleinfutter sind sie meist notwendig, damit es den Bedarf deckt. Alle Zusatzstoffe müssen in der EU zugelassen sein. Aufschriften wie „ohne künstliche Zusätze“ sind deshalb vor allem Werbung.

Schritt 3: Analytische Bestandteile verstehen

Bei Hunde-Alleinfutter müssen die analytischen Bestandteile angegeben werden: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche, bei Nassfutter außerdem der Feuchtegehalt. „Roh“ bedeutet, dass es um die im Labor gemessene Menge geht, nicht um Qualität.

  • Rohprotein: Eiweiß aus allen Zutaten, tierisch und pflanzlich
  • Rohfett: der wichtigste Energielieferant
  • Rohfaser: unverdauliche Pflanzenfasern, wichtig für die Verdauung
  • Rohasche: Mineralstoffe; sehr hohe Werte können auf viel Knochenanteil hindeuten

Nass- und Trockenfutter vergleichen

Nassfutter besteht meist zu rund drei Vierteln aus Wasser, Trockenfutter nur zu etwa einem Zehntel. Die Prozentzahlen auf der Dose wirken deshalb viel kleiner. Vergleichen lassen sich Futter nur über die Trockenmasse:

Trockenmasse = 100 % minus Feuchtigkeit
Nährstoff in der Trockenmasse = Nährstoff ÷ Trockenmasse × 100

Ein Beispiel: Ein Nassfutter mit 10 % Rohprotein und 78 % Feuchte hat 22 % Trockenmasse. 10 ÷ 22 × 100 ergibt rund 45 % Protein in der Trockenmasse. Ein Trockenfutter mit 25 % Protein und 10 % Feuchte kommt auf rund 28 %. Das Nassfutter ist also deutlich eiweißreicher, obwohl die Zahl auf dem Etikett kleiner ist.

Energiegehalt

Der Energiegehalt (in Kilokalorien oder Megajoule) muss nicht auf der Packung stehen, ist aber für die richtige Menge entscheidend. Fehlt er, fragen Sie beim Hersteller nach. Seriöse Anbieter nennen ihn bereitwillig.

Schritt 4: Die Fütterungsempfehlung prüfen

Die empfohlene Tagesmenge ist ein Startwert, keine feste Regel. Sie sollte für verschiedene Körpergewichte angegeben sein. Und sie ist nicht immer richtig: Die Stiftung Warentest bewertete bei ihrem Test von Hunde-Nassfutter im April 2022 acht von 22 Fütterungsempfehlungen als mangelhaft. Im Trockenfutter-Test von Juli 2025 mit 24 Alleinfuttern schnitt nur etwa jedes dritte Produkt gut ab; auch hier waren Fütterungsangaben teils fehlerhaft oder unvollständig.

Die wissenschaftliche Grundlage für den Nährstoffbedarf liefern die Ernährungsleitlinien der FEDIAF, die regelmäßig aktualisiert werden. Viele Hersteller geben an, sich daran zu orientieren – im Zweifel lohnt die Nachfrage.

Einen weiteren Überblick, welche Kriterien bei Hundefutter-Tests eine Rolle spielen, bietet heyhund.com.

Schritt 5: Der Test am eigenen Hund

Das beste Etikett nützt nichts, wenn der Hund das Futter nicht verträgt. Beobachten Sie nach einer Umstellung mindestens einige Wochen:

  • Gewicht und Figur: Die Rippen sollen sich mit leichtem Druck gut ertasten lassen, von oben ist eine Taille sichtbar. Wiegen Sie Ihren Hund regelmäßig.
  • Kot: fest, geformt, nicht übermäßig viel. Häufiger weicher Kot oder viele Blähungen sprechen gegen das Futter oder die Menge.
  • Haut und Fell: glänzendes Fell, kein neuer Juckreiz, keine Schuppen
  • Energie und Appetit: munter, frisst gern, bettelt aber nicht ständig

Futter immer schrittweise umstellen: über etwa eine Woche das neue Futter nach und nach unter das alte mischen. So vermeiden Sie Verdauungsprobleme – und können Unverträglichkeiten besser zuordnen.

Checkliste für den Futterkauf

Frage Worauf Sie achten
Alleinfuttermittel? steht ausdrücklich auf der Packung
Passend zur Lebensphase? Welpe, erwachsen, Senior; bei Welpen auch die erwartete Endgröße
Zusammensetzung verständlich? einzelne Zutaten mit Prozentangaben sind transparenter
Analytische Bestandteile vollständig? Protein, Fett, Faser, Asche, bei Nassfutter Feuchte
Energiegehalt bekannt? auf der Packung oder beim Hersteller erfragen
Fütterungsempfehlung plausibel? nach Gewicht gestaffelt; Menge am Hund überprüfen
Hersteller erreichbar? Kontakt für Rückfragen angegeben

Wann Sie tierärztlichen Rat brauchen

Holen Sie sich Unterstützung in der Tierarztpraxis, wenn Ihr Hund Vorerkrankungen hat (etwa Nieren-, Leber- oder Herzprobleme), dauerhaft Durchfall, Erbrechen oder Juckreiz zeigt, ungewollt zu- oder abnimmt oder wenn Sie selbst kochen oder roh füttern möchten. Für selbst zusammengestellte Rationen gibt es tierärztliche Ernährungsberatungen, die eine passende Ration berechnen. Warnzeichen, die schnell abgeklärt werden sollten, finden Sie im Ratgeber Hundekrankheiten.

Häufige Fragen

Ist Nassfutter oder Trockenfutter besser?

Beides kann ein gutes Alleinfutter sein. Nassfutter enthält viel Wasser und wird oft lieber gefressen, Trockenfutter ist praktischer und günstiger. Entscheidend ist die Qualität, nicht die Form. Frisches Wasser muss immer bereitstehen.

Wie viel Fleisch muss im Hundefutter sein?

Einen festen Mindestwert gibt es nicht. Wichtiger als ein hoher Fleischanteil ist, dass das Futter alle Nährstoffe in der richtigen Menge liefert. Ein Futter mit sehr viel Fleisch, aber ohne ausgewogene Mineralstoffversorgung kann schlechter sein als eines mit weniger Fleisch.

Kann ich mich auf Testergebnisse von Zeitschriften verlassen?

Tests wie die der Stiftung Warentest prüfen vor allem, ob ein Futter den Bedarf deckt und ob die Fütterungsempfehlung stimmt. Das ist hilfreich. Achten Sie aber auf das Testjahr: Rezepturen ändern sich, und ein Ergebnis von vor einigen Jahren gilt nicht zwingend für das heutige Produkt.

Zählen Leckerlis mit?

Ja. Snacks und Kauartikel sollten von der Tagesration abgezogen werden, sonst nimmt Ihr Hund schleichend zu. Das gilt auch in der Adventszeit – Tipps dazu im Beitrag zum Hundefutter-Adventskalender.

Fazit

Ein gutes Hundefutter erkennen Sie nicht an der Werbung, sondern an wenigen nüchternen Punkten: Es ist ein Alleinfuttermittel für die richtige Lebensphase, die Kennzeichnung ist verständlich, die Fütterungsempfehlung plausibel – und Ihr Hund ist damit schlank, munter und verdaut gut. Wer diese Punkte prüft, braucht keinen Testsieger, um die richtige Wahl zu treffen.

Quellen und weiterführende Informationen (5)
  1. Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln
  2. FEDIAF: Pet Food Labelling – A Guide for Customers
  3. FEDIAF: Nutritional Guidelines
  4. Stiftung Warentest: Hunde-Nassfutter im Test (20.04.2022)
  5. Stiftung Warentest: Hunde-Trockenfutter im Test (test 8/2025)